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Newsletter 12 (1999)

Ein Interview mit Reneé O'Connor

In einem Interview mit ihrem Fanclub (der seine Pforten mittlerweile geschlossen hat) ließ Reneé O'Connor im Juli dieses Jahres einige aufschlußreiche Sätze über ihre Freundschaft mit Lucy Lawless & mit ihrer Mutter, über Kreativität und das Regieführen verlauten, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Reneés Mutter, Sandra Wilson, gab uns die Erlaubnis, das Interview für den Newsletter zu übersetzen. Das Original findet ihr (in englischer Sprache) auf Reneé O'Connors offizieller Webseite: http://rampages.onramp.net/~rocweb/

Du erwähntest deine Wertschätzung fürs Schreiben. Heißt das, daß du - zusätzlich zum Regieführen - auch darüber nachdenkst, selbst schriftstellerisch tätig zu werden?

Wir haben bereits über Grenzen gesprochen - und mir erscheint das Schreiben weit jenseits meiner Fähigkeiten. (Lacht) Mir gefällt der Gedanke sehr, daß ein Wort eine ganze Ansammlung von Gedanken versinnbildlichen kann, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich in der Lage sein sollte, zu schreiben. Ich gehe lieber einen Schritt nach dem anderen. Wenn ich durchs Regieführen eine Geschichte erzählen könnte - durch die Worte von jemand anderem, kreativ mit einem Autor oder einer Autorin arbeiten könnte, wäre das für mich der erste Schritt. Ich habe allerdings auch meine eigenen Geschichten, die ich gern erzählen würde.

Durch ein visuelles Medium...

Ich sehe Ideen in großen, groben Zügen. Ich habe eine Skizze oder eine Szene im Kopf - und dann leuchten die visuellen Bilder ganz einfach blitzartig vor mir auf.

Die Regisseurin ist schließlich doch eine Geschichtenerzählerin, selbst mit einem Drehbuch. Die Regisseurin wählt aus, welche Bilder wir sehen, wann wir sie sehen, wie wir sie sehen...

Die Regisseurin erzählt tatsächlich eine Geschichte. Aber wenn es darum geht, beispielsweise ein großartiges Buch zu nehmen und es auf die Leinwand zu bringen - das ist wieder eine ganz andere Sache. Die Regisseurin muß die Geschichte in relativ kurzer Zeit erzählen. Ich weiß die Bilder, die "hinter" einem Buch stecken, zu schätzen, und das erschwert der Regisseurin die Auswahl des Bilder, die helfen, die Geschichte voranzutreiben.

Es steht fest, daß Xena irgendwann enden wird. Hast du interessante Projekte in Aussicht?

Nein. Überhaupt keine. Das ist komisch, weil ich zuerst dachte, mit mir stimmt irgend etwas nicht. Aber ich habe mittlerweile begriffen, daß mich der Aufenthaltsort Neuseeland daran hindert, Gelegenheiten zum Vorsprechen wahrzunehmen. Ich habe mich kürzlich mit einigen Agenten getroffen, und die schauen gerne mal in die Zukunft, wollen sehen, was ich in zwei, drei Jahren machen werde. Und sie sagen, daß wenn es um ein Treffen geht, ein Regisseur eben wissen will, ob er mit einem Schauspieler oder einer Schauspielerin auf einer persönlichen Ebene auskommen kann. Also muß man sich wirklich mit ihnen treffen - und das ist sehr schwer, wenn man in Neuseeland lebt.

Wir wissen natürlich, wieviel Post du von Kindern bekommst. Ganz oft geht es in diesen Briefen um das Thema Freundschaft. Wir würden dich gerne fragen: Hat die Xena-Gabrielle Beziehung in der Serie dich dazu gebracht, über die Freundschaften in deinem eigenen Leben nachzudenken?

Ich hatte in meiner Jugend nie eine Freundin, die eine solche Wirkung auf mich hatte wie Lucy.

Du redest von deiner heutigen Freundschaft mit Lucy Lawless.

Ja. Als wir mit der Serie begannen, da hat Gabrielle Xena immer auf ein Podest gestellt, und außerhalb der Serie war es genauso. Ich habe doch sehr zu Lucy aufgeschaut. Ich konnte eine Verbindung zu ihr aufbauen, weil ich immer schon diese wunderbare, starke Beziehung zu meiner Mutter hatte.

Aber jetzt hat deine Beziehung zu Lucy sich verändert.

Unsere Freundschaft hat sich entwickelt. Lucy hat eine enorme Wirkung auf mein Leben. Es ist erstaunlich. Sie ist eine unglaublich leidenschaftliche Frau, die aber auch eine intellektuelle Seite hat.

Du sagtest, dies sei "eine ganz neue Erfahrung".

Manchmal, denke ich, fühlen sich andere Schauspielerinnen, die auf das Set kommen, vielleicht von unserer Freundschaft bedroht. Und es ist gar nicht so, daß Lucy und ich uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten oder nicht verhalten sollten, wir sind uns nur einfach sehr nah! Wir reden ständig über unser Leben. Manches davon ist nur Geplauder, vielleicht ein bißchen Tratsch. Meistens geht es aber um die parallelen Gefühle, die wir in unserem Leben haben. Ich habe früher wunderbare Freundinnen gehabt - und Menschen, die ich liebe wie Schwestern - aber Lucy ist mehr als das. Ich habe soviel Respekt für sie. Und sie ist jemand, der mich inspiriert.

Das hast du sehr schön gesagt. Was macht eine gute Freundin aus?

Ich denke, eine gute Freundin ist jemand, der einem zuhört, ohne ein Urteil zu fällen. Es ist jemand, der den Freund oder die Freundin inspiriert und sie herausfordert, mehr zu sein, als sie sind, so gut zu sein, wie sie nur können.

Du und deine Mutter, ihr seid Freundinnen. Was ist das Geheimnis eurer Mutter-Tochter-Beziehung?

Zum ersten ist meine Mutter unglaublich großzügig - der großzügigste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Weil sie soviel gibt, wollen die Menschen ihr etwas zurückgeben. Und ich denke, das ist ein unglaublicher Charakterzug bei einer guten Freundin. Sie ist immer eine gute Zuhörerin, soviel steht fest. Was wiederum wichtig ist in einer Freundschaft - einfach zuhören, einfach dasein. Meine Mutter ist eine meiner liebsten Reisebegleiterinnen. Wir genießen es, zusammen zu sein, weil wir einen ähnlichen Sinn für Humor haben. Das ist auch sehr wichtig - das Lachen.

Ich bin sicher, viele unserer Clubmitglieder sind Mädchen mit sehr komplexen Beziehungen zu ihren Müttern; Mädchen, die gerade das Alter durchleben, wenn diese Beziehung sich zu entwickeln beginnt...

Meine Mutter hat mich immer mit Respekt behandelt, wie einen intelligenten Menschen, der sich seine eigene Meinung bilden kann. Sie hat das mehr als jeder andere getan. Sogar mehr als einige der Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Das hat mir, als ich jung war, das Selbstvertrauen gegeben, daß ich im Grunde alles tun konnte, was ich tun wollte, wenn ich eine Leidenschaft dafür hatte. Ich denke, das ist es, was die Menschen sich von einem Freund oder einer Freundin wünschen - jemand, der ihnen zuhört, ohne ihren Gefühlen gegenüber herablassend oder belehrend zu sein.

Einige jüngere Fans, die von deinen Reisen durch die Welt wissen, haben uns eine weitere Frage gestellt: Wenn du - zu deiner eigenen Bereicherung an einen beliebigen Ort der Welt reisen könntest - wohin würdest du gehen?

Im Moment würde ich gerne nach Indien gehen, weil ich diese Kultur gerade kennenlerne. Ich würde gerne durch den Himalaya reisen. Etwas anderes, was ich gerne tun würde, ist, mit dem Rucksack durch Europa zu reisen (lacht leise).

Als Bergsteigerin oder als Wanderin?

Nur als Wanderin! Weil ich die Idee liebe, nur mit dem Notwendigsten zu reisen. Das habe ich noch nie getan. Ich konnte mir nie leisten zu reisen, und jetzt, wo ich es kann, gehe ich lieber auf Nummer sicher. Im Rückblick wünsche ich mir, ich hätte dieser Abenteurerlaune in mir nachgegeben und wäre mit ein paar Leuten - vielleicht vom College, als ich noch jünger war - mit dem Rucksack durch Europa getourt. Das wäre doch mal was anderes!

Welchen Ratschlag würdest du Kindern geben, die sich, angeregt durch die Serie, die Schauspielerei als Karriere vorstellen könnten?

Das, was ich heute bedauere ist, daß ich nicht genügend Theater gespielt habe. Ich wünschte, ich wäre aufs College gegangen und hätte einen Abschluß in Schauspielerei gemacht. Das hätte mir ermöglicht, die Klassiker zu studieren. Ich habe festgestellt, daß es schwierig ist, sich auf die eigene Ausbildung zu konzentrieren, wenn man - ganz auf sich selbst gestellt - seinen Lebensunterhalt verdienen muß.

Du hast auch über das Thema "Geduld" gesprochen.

Im Rückblick habe ich wirklich das Gefühl, daß ich alles übereilt gemacht habe. Wenn ich alles noch einmal tun könnte - und anderen einen Rat geben sollte - dann wäre es der, geduldig zu sein und erst eine Ausbildung zu machen. Wenn man eine Karriere als Schauspielerin anstrebt - sei es auf dem Theater, sei es im Fernsehen, im Film, wo auch immer: Das Wichtigste ist es, zuerst das Handwerk zu erlernen. Ich habe während des Arbeitens gelernt, von Job zu Job. Das ist sicherlich etwas ganz anderes. Ich habe Leute getroffen, die haben jahrelang Schauspielerei studiert und sich dann entschlossen, ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen. Als ich jünger war, hatte ich große Angst davor, nicht in der Lage zu sein, meinen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn ich älter bin. Ich dachte, weil ich jünger aussah, wäre es leichter für mich, Rollen zu bekommen. Ich glaubte, das sei ein Vorteil, weil ich Reife mitbrachte und ein Verständnis für die Rolle, die eine jüngere Schauspielerin nicht besaß. Ich habe es überstürzt. Ich hätte erst die Schule beenden sollen, denn "Hollywood" und der "Broadway" laufen einem nicht weg.

Was muß man über die Kunst der Schauspielerei verstanden haben, bevor man sich dafür entscheidet?

Man muß gelernt haben, sie zu wertschätzen.

Was meinst du damit?

Man muß lernen zu würdigen, daß das Wort, was der Autor geschrieben hat, ein Geschenk ist. Man muß die Idee zu würdigen lernen, durch Worte Gefühle hervorzurufen. Respekt entwickeln für ein Talent, das bedeutender ist, als man selbst, und ein sehr leidenschaftliches Gefühl für ein Werk. Es ist wichtig, daß man aufhört zu denken, wir wüßten bereits alles. Es ist einer der wundervollsten Aspekte des Lebens, daß es Menschen gibt, die uns etwas lehren können - und wir sollten das auch nutzen.

Ich bin mir sicher, viele junge Menschen realisieren oft nicht, daß sie in einem großartigen Augenblick leben, in dem es Lehrer gibt, nur für sie. Und daß dieser Augenblick nicht ewig währt.

Ich hatte das Gefühl bei einer Schauspiellehrerin in Los Angeles, die großen Einfluß auf mein Leben hatte. Ich wünschte, ich hätte volle vier Jahre (oder zwei Jahre), um all die Möglichkeiten anzunehmen.

Wer war diese Lehrerin?

Janet Alhanti. Ich erinnere mich, wie ich zu dem Vorstellungsgespräch ging, um in ihre Klasse zu kommen. Und ich sagte, Sehen Sie, ich werde alles tun, um in ihrer Klasse zu sein. Frei nach dem Motto: "Bitte! Nehmen Sie mich auf." Ich war sicher nicht die beste Schauspielerin der Klasse. Aber ich habe so viel gelernt, habe große Fortschritte in meinem eigenen Leben und meiner eigenen Schauspielerei gemacht. Ich neige dazu, Leute auf ein Podest zu stellen - und ich versuche, es nicht zu tun - aber sie war definitv einer der Menschen, die da oben standen...

Übersetzung von Monika Brinkmann und Susanne Webel


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