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Newsletter 07 (1998)

Dieses Interview ist Eigentum des DXF. Kopien in irgendwelcher Form auch auszugsweise nur mit schriftlicher Genehmigung. (c) 1998 DXF

Exklusiv-Interview mit Steven L. Sears (Co-Executive Producer)

Was haben Sie vor "Xena" gemacht? Und wie haben Sie Robert Tapert und Sam Raimi kennengelernt?
Nun, entgegen mancher Annahmen hat meine Karriere nicht mit "Xena" begonnen. Meinen ersten Job in einer Autorenriege hatte ich 1984 bei einer Serie namens "Trio mit vier Fäusten" [Riptide]. Seither war ich als Autor und auch in der Eigenschaft als Produzent oder Story-Editor tätig. Einige andere Serien, an denen ich mitgewirkt habe, waren "Das A-Team" [A-Team], "Stingray", "Hardcastle & McCormick", "Superboy", "Das Ding aus dem Sumpf" [Swamp Thing], "Raven", Jesse Hawkes", "Grand Slam" und andere. Nebenher habe ich Pilotfilme geschrieben, Spielfilme und sogar einen Zeichentrick- und einen interaktiven Film. Ich lernte Sam und Rob über die ursprüngliche Supervising-Produzentin der Serie, Babs Greyhosky, kennen. Babs ist eine ausgezeichnete Autorin/Produzentin, der ich das erste Mal während der Arbeit für "Trio mit vier Fäusten" begegnete (damals engagierte sie mich). Sie fragte, ob ich Interesse hätte, eine Episode für diese neue Serie "Xena" zu schreiben. Also wurde ich zu einem Treffen mit Rob Tapert und R.J. Stewart geschleppt. Wir vertrugen uns gut, und so schrieb ich eine Episode für sie ("Gefährliche Träume"). Basierend darauf (und auf meinem Werdegang) wollten sie mich dann fest einstellen. Das Geld war knapp, daher konnten sie sich keinen weiteren Produzenten leisten. Deshalb unterzeichnete ich als Kreativer Berater. Bald darauf verließ Babs die Serie, um anderen Aufgaben nachzugehen. Es gab nun diese offene Position, und ich sprang ein.

Wie lange arbeiten Sie für gewöhnlich an einem Drehbuch? Gibt es gemeinsame Treffen, bei denen spontane Ideen festgehalten werden? Oder arbeitet jede(r) für sich?
Im Episodendrama (zu welcher Kategorie "Xena" gehört) schreiben die Autoren jeder für sich. Wir entwickeln eine Idee, unabhängig von der Gruppe. Dann entwerfen wir einen Handlungsabriß und präsentieren ihn den anderen. Wir treffen uns zu diesem Zweck und diskutieren ihn. Anschließend macht sich der Drehbuchautor daran, das ganze zu einem Skript auszuarbeiten. Dieser Prozeß wiederholt sich so oft, bis wir einen filmreifen Entwurf haben. Jeder weiß, woran der andere gerade arbeitet - auf diese Weise bewahren wir den übergreifenden "Ton" der Serie. Wie lange so etwas dauert, variiert von Fall zu Fall und hängt von der jeweiligen Dringlichkeit ab. Normalerweise benötigt jeder Schritt zwei Wochen. Die einzelnen Schritte bestehen aus Storyidee, Überarbeiten der Story, erster Entwurf, zweiter Entwurf, fertiger Entwurf. Es ist also mit einigen Monaten zu rechnen. Aber wie ich bereits sagte, es hängt von der gegebenen Dringlichkeit ab. Das Problem ist, daß wir diese Skripts in sechs bis sieben Tagen abdrehen. Das "Skriptmonster", wie ich es nenne, taucht somit jede Woche erneut auf, um gefüttert zu werden. Es dauert jedoch zwei Monate, um das Mahl herzurichten. Sie sehen, wir müssen mit unserer Arbeit weit im voraus sein, wenn die Staffel anläuft, andernfalls kriegen wir enste Schwierigkeiten!

Woher beziehen Sie Ihre Einfälle, Ihre Inspiration?
Von überall her. Aus den Nachrichten, durch Ereignisse in meinem Leben, aus Büchern, die ich gelesen habe, Nachforschungen, welche ich angestellt habe, von überall her. Das ganze findet seinen Ursprung weniger an einem bestimmten inspirativen Ausgangspunkt, sondern vielmehr in der Beobachtung des Lebens, welches um uns herum abläuft. Die besten Geschichten geschehen täglich in unserer unmittelbaren Umgebung. Einmal habe ich eine gesamte Fernsehproduktion auf einem einfachen Satz aufgebaut. Die Rechte für diese Produktion wurde von den Columbia Studios erworben, und ich wurde engagiert, um einen Pilotfilm dazu zu schreiben (Der Satz lautete: "Wenn die Hölle gefriert"). Selbst innerhalb von Skripten finden manche Dinge einen merkwürdigen Anfang. Die Kampfstäbe (Chobos) in "Die Amazonenprinzessin" stellen ein gutes Beispiel dar. Einige Ihrer Leser mögen mit dieser Geschichte bereits vertraut sein, aber ich wiederhole sie dennoch. Ich kenne zwar die deutsche Übersetzung nicht, aber in der Folge "Die Amazonenprinzessin" wird Xena nach den Waffen ihrer Wahl gefragt, bevor sie zum Kampf gegen Melousa antritt. Xena wählt die Chobos, zwei kurze Kampfstäbe. Es gibt diese Waffe tatsächlich. Ich habe mit ihnen trainiert, als ich noch Karate machte. Aber sie heißen nicht Chobos. Als ich die Folge gerade schrieb, konnte ich mich nicht an deren richtigen Namen erinnern (Escrima Stäbe, wie mir im nachhinein wieder einfiel). Etwas mußte ich jedoch schreiben, irgend etwas, Hauptsache, es ging voran. Ich wußte ja, daß ich es später immer noch abändern könne. Im gleichen Augenblick ging eine Frau, die Churro aß, an meinem Bürofenster vorbei. Dabei handelt es sich um eine mexikanische Pastete, welche die Form eines länglichen Stäbchens hat. Ich wälzte das Wort in meinem Kopf herum, und schließlich kam ich auf "Chobos". Ich schrieb es nieder, in der Absicht, es später zu ändern, sobald ich herausgefunden hatte, wie diese Dinger wirklich hießen. Natürlich habe ich es vergessen. Als ich mir dann die tägliche Filmaufzeichnung ansah, hörte ich Lucy "Chobos" sagen. Huch! Ein weiteres Beispiel sind Namen. Andere Autoren suchen nach griechischen oder lateinischen Namen, um sie in ihren Skripts zu verwenden. Das tue ich zwar auch, aber meistens erfinde ich Namen, indem ich mich im Raum unsehe. "Talmadeus" aus "Einer für alle" zum Beispiel stammt von einer Wolfgang Amadeus Mozert-CD auf meinem Schreibtisch. "Ephiny" ("Die Amazonenprinzessin") entspringt dem Wort "Epiphany". Einem meiner fremdartigsten Momente entsprang "Gastacius" ("Die Erfüllung eines Traumes"), als Ergebnis einer Magenverstimmung.

Auf welche Episoden sind Sie als Autor besonders stolz und warum?
Ich will mich wirklich nicht drücken, aber darauf gibt es einfach keine allzeit gültige Antwort. Es hängt stets davon ab, wie ich mich gerade fühle. Manchmal ist es "Einer für alle", ein anderes Mal "Götterdämmerung", dann wieder "Xenas Sohn" oder "Gefährliche Träume". Sie alle verfügen über Aspekte, auf die ich stolz bin.

Haben Sie ein grundlegendes Konzept, an welchem Sie festhalten müssen, wenn Sie für eine neue Staffel zu schreiben beginnen, oder sind Sie bezüglich der Handlungsstränge flexibel? Haben Lucy und Reneé Einfluß auf die Drehbücher? Bleibt Raum für Improvisationen?
Wir haben einen generell übergreifenden Gedanken, in welche Richtung wir uns zu bewegen gedenken. Ob wir letztlich auch dorthin gelangen, hängt von so vielen Faktoren ab. Was nicht zuletzt damit zu tun hat, daß wir ständig neue Gebiete entdecken, die wir erforschen wollen. Wir sind also ziemlich flexibel, aber wir steuern schon in eine konkrete Zielrichtung. Das Hauptaugenmerk bleibt jedoch immer, wie sich die Charaktere und ihre Beziehung zueinander weiterentwickeln. Lucy und Reneé sind großartig, doch sie haben kein Mitspracherecht bei der Entwicklung der Handlung. Sie haben hier und da zwar Vorschläge zur Verdeutlichung der Intentionen ihrer Charaktere, und einge davon sind recht gelungen. Wenn sie ins Gesamtkonzept passen, arbeiten wir sie mit ein. Aber das Tolle an unseren Schauspielerinnen ist, daß sie darauf vertrauen, daß wir ihnen ausreichend gehaltvolles Material liefern, mit dem sie arbeiten können. Und wir vertrauen darauf, daß sie Skript und Handlung so erarbeiten, wie wir es von ihnen erwarten. Sie wissen, daß die Skripts, welche wir ihnen zukommen lassen, von wahrem Handwerksgeschick zeugen, und nicht bloß einfach niedergetippt wurden. Und wenn sie sie dann zum Leben erwecken, das ist einfach wundervoll. Es findet ein gewisses Maß an Improvisation statt, aber ich scheue mich, das überhaupt zu erwähnen, denn im Vergleich zu anderen Serien ist es gering. Häufig müssen Schauspieler Kleinigkeiten umformulieren, damit ihnen Sätze leicher über die Lippen kommen. Problematisch wird es, wenn ein Schauspieler entscheidet, eine Szene zu seinen Gunsten umzuschreiben. In solchen Fällen ergibt sich eine große Diskontinuität in der Handlung, denn mal ehrlich, es ist schließlich Aufgabe des Autors, selbige im Lot zu halten. Aber in dieser Serie war es eine regelrechte Erleichterung für mich zu sehen, daß der Großteil dessen, was wir dort hinunterschicken [Anm.: nach Neuseeland], auch das ist, was man später auf dem Bildschirm zu sehen bekommt.

Auch wenn Robert Tapert kürzlich anmerkte, daß "Xena" Episodenfernsehen sei, kann man kaum abstreiten, daß es sehr wohl Handlungsbögen gibt (was die Serie zusätzlich faszinierend macht). Wie wichtig sind diese Handlungsbögen Ihrer Meinung nach? (Zusatzfrage: In der dritten Staffel wurde der sogenannte "rift arc" [Anm.: gemeint ist die Entzweiung von Xena und Gabrielle] von einer Reihe von heiteren Episoden unterbrochen. Geschah dies mit Absicht? Verliert eine solch kraftvolle Story nicht an Wirkung, wenn sie durch Comedyepisoden unterbrochen wird?)
Ich erinnere mich, daß Rob [Tapert] diese Bemerkung gemacht hat, und möchte dies gerne ein wenig erläutern. Wir machen insofern Episodenfernsehen, als wir stets im Hinterkopf behalten müssen, daß der heutige Zuschauer die Folge von voriger Woche vielleicht gar nicht kennt. Wenn wir nun eine Folge für einen "Handlungsbogen" machen, suchen wir immer nach Möglichkeiten, diese Folge selbständig zu gestalten, ohne daß sie auf etwas aufbaut, was der Zuschauer unter Umständen nicht gesehen hat. Ich denke, Charakterbögen sind extrem wichtig. Eines der schwersten Dinge, mit denen man sich im Fernsehen auseinander zu setzen hat, ist die Tatsache, daß die Episoden eventuell nicht in der geplanten Reihenfolge ausgestrahlt werden - somit ist es schwierig, dem emotionalen Bogen und dessen derzeitigem Status ständig zu folgen. Dies ist uns bereits einige Male passiert, was aufgrund der Intensität der Bögen auffiel. Trotzdem werfen wir bei "Xena" alle Konventionen über Bord und versuchen so zu schreiben, als sähe der Zuschauer alles der Reihe nach. Probleme ergeben sich nur dann, wenn eine Episode zu stark auf vorangegangene aufbaut, und folglich Erklärungen für Gelegenheitszuschauer vonnöten wären. Solche Episoden gibt es, vor allem in der dritten Staffel.

Was die heiteren Folgen angeht, so war das eine schwere Entscheidung. Ja, ich stimme dem zu, daß die leichteren Episoden dem Düsteren der Serie abträglich waren, aber wir haben gerade wegen dieser Düsternis diese Entscheidung getroffen. "Laßt uns den Zuschauern eine Ruhepause gönnen," wurde auf einem Treffen geäußert. Das Unbefriedigende am "Rift Arc" war, daß man ihn sich am besten in einem Stück an einem Abend ansehen müßte. Die gesamten fünf bis sechs Stunden. Doch das war nicht machbar, uns so mußten wir irgendwie für Auflockerung sorgen. Einige waren dankbar dafür, andere mochten es überhaupt nicht. Am schwersten war es, im Auge zu behalten, wo während dieser Comedyepisoden jeder emotional stand. Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt realisierbar war.

Wie sehen Sie persönlich die Beziehung zwischen Xena und Gabrielle? Könnten Sie für die deutschen Fans, welche die dritten Staffel noch nicht gesehen haben, erläutern, inwiefern sich die Dynamik dieser Beziehung ändern wird und was wir in Zukunft zu erwarten haben? Wird der sogenannte "Subtext" auch weiterhin Bestandteil der Serie bleiben? (Zusatzfrage: Die Folgen, in denen Xena und Gabrielle sich in Männer vergucken, scheinen in Hinblick auf ihre Beziehung zueinander nicht ganz glaubwürdig. Weshalb binden die Autoren dennoch immer wieder Jungs wie Odysseus ("Was Homer nicht wissen konnte") und Rafe ("Unter Gaunern") in die Geschichten ein?)
Okay, eins nach dem anderen. Die Beziehung zwischen Xena und Gabrielle ist komplex. Ich betrachte sie wie zwei Schwestern, die sich näher stehen als es zwei Freundinnen je könnten, erst spät im Leben zusammengeführt wurden. Wenn jemand Geschwister hat - einen Bruder oder eine Schwester - hat er ein Leben lang Zeit, diese Person besser kennenzulernen, sowohl die guten, als auch die schlechten Seiten. Und ihr näherzukommen. Xena und Gabrielle wurden ganz plötzlich mit dieser Situation konfrontiert und ihnen wurde nur wenig Zeit gegeben, sich aufeinander einzustellen. Sie versuchen immer nochzu verstehen, weshalb sie der anderen gegenüber diese starke Bindung verspüren.

In der dritten Staffel jedoch werden wir sehen, wie diese Bindung durch Erwartungen und Abhängigkeiten belastet werden kann. Es wird ihre Beziehung bis aufs Alleräußerste belasten. Die meisten Freundschaften würden das nicht überstehen. Die beiden werden ihre Seelen entblößen und gezwungen sein, sich mit ihrer Unvollkommenheit auseinanderzusetzen und, was noch bedeutsamer ist, mit der Unvollkommenheit der anderen Frau. Was die Subtextfrage betrifft, so kann ich nur sagen, daß die Beziehung auf eine Probe gestellt werden wird. Wenn das vorüber ist, werden wir sehen, welche Scherben sich wieder zusammenfügen lassen - falls überhaupt welche.

Die letzte Frage bezüglich der Männer vermag ich leider nicht zu beantworten, da sie zu vage ist. So eine Situation funktioniert ganz gut innerhalb ihrer Beziehung, und sie verhalten sich so, wie sie sollten. Wenn jemand an einer anderen Person interessiert ist, wirkt sich dies auf alle anderen Beziehungen aus. Unsere beiden Frauen sind auf der Suche nach Wahrheit und Glück. Manchmal ist es leicht, das Glück bei einem Fremden zu finden, ob es nun wirklich vorhanden ist oder nicht. Und dann wiederum kann es leicht geschehen, daß du genau dem Glück gegenüber blind bist, das sich die ganze Zeit direkt vor deiner Nase befindet.

Wie sehen Sie persönlich Gabrielle? Hin und wieder kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Autoren sich in Bezug auf sie nicht ganz einigen können. In der einen Woche ist sie eine Amazonenkämpferin, in der nächsten die hilflose Maid wie in der ersten Staffel (z.B. in "Die Entführung", "Die Feder ist mächtiger als das Schwert", "Attentat auf Cleopatra").
Es hat Diskussionen darüber gegeben, wie ehrlich Gabrielle sich selbst gegenüber bleibt. Es gibt bezüglich des Charakters ein gewisses Maß an Abweichung in beide Richtungen, und ich denke, in manchen Fällen ist der Charakter tatsächlich ein wenig über die akzeptable Norm hinaus verändert worden. Ihre Kampffähigkeiten sind hingegen relativ konstant. Was sich am häufigsten bei ihr verändert, ist die Entschlossenheit, mit der sie kämpft. Selbst in Höchstform ist sie keine Xena, und das wollen wir auch nicht. Wenn wir humorvolle Episoden machen, betonen wir gerne diese Seite ihres Charakters. Die Amazonenkämpferin darzustellen, würde in diesem Zusammenhang nicht funktionieren. Doch selbst wenn sie in der Vergangenheit die Amazonenprinzessin/-königin war, lag das Hauptaugenmerk immer darauf, wie sie eine ernste Situation angeht. Ihr Verstand hat ihr da mehr geholfen als ihre Muskeln. Was Gabrielle im Kampf fehlt, und wovon Xena zuviel besitzt, ist Fokus, die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Gabrielles kämpferische Fähigkeiten sind dann am größten, wenn sie hochkonzentriert ist.

Es scheint eine Menge kontroverser Meinungen über Joxer zu geben. Weshalb, glauben Sie, löst er solch extreme Reaktionen aus? Die Leute lieben oder hassen ihn leidenschaftlich. Wie kommt das?
Gute Frage. Und ich habe darauf keine Antwort. "Xena" hat eine große Bandbreite an Fans. Ich wurde schon für Dinge beglückwünscht, für die andere mich verwünscht haben. Das geht also weit über Joxer hinaus. Aber ich bin pro-Joxer, da er eine wichtige Rolle in den Folgen spielt, in denen wir ihn haben. Ich finde nicht, daß er die Serie zu einer über zwei Frauen und einen Mann macht. Und schon gar nicht ist er dabei, weil Frauen einen Mann brauchen, der sie rettet. Es ist offensichtlich, daß eine solche Dynamik nicht vorhanden ist. Die Einstellung gegenüber Joxer ändert sich langsam. Genau wie es damals bei Gabrielle war (in den frühen Episoden haßten die Leute sie) und bei Ephiny (es gab sogar mal eine Newsgroup, die sich "alt.ephiny.die.die.die" nannte). In "Hercules" mußte Salmoneus den gleichen Prozeß durchmachen. Was ich die Leute gern fragen würde ist, weshalb sie Joxer hassen, aber Autolycus lieben? Autolycus ist ein Frauenheld mit einem Ego größer als Joxers je sein wird. Und er ist sogar gefährlicher, denn er sieht gut aus und hat Charme. Aber die Leute scheint es nicht gestört zu haben, daß er Xena in "Königliche Diebe" geradezu vorführte. Es hat Gelegenheiten gegeben, in denen Joxer seine Heldenphantasien hätte ausspielen können (wie bereits gesehen, wie es auch später noch geschehen wird), aber er kann das nicht durchziehen, weil er die beiden wirklich gern hat. Es ist ein Mysterium.

Hat der Erfolg von "Xena: Warrior Princess" irgend etwas am kreativen Prozeß verändert (mehr Druck, höhere Ansprüche von allen Seiten)? Oder hat dies die Autoren in keinster Weise beeinflußt?
Das glaube ich nicht. Wir sind begeistert, daß wir uns so gut machen, aber wir sind soweit gekommen, weil wir uns treu geblieben sind. Es gibt keinen Grund, dieses Rezept jetzt auf den Kopf zu stellen. Und ich denke, das Selbstvertrauen rührt von der Tatsache her, daß wir es geschafft haben, ohne anderer Leute Regeln zu befolgen. Das hat keinen Einfluß auf uns. Ganz sicher hat es keinen Einfluß auf mich. Ich habe schon bei zuvielen Serien mitgearbeitet, um das geschehen zu lassen. Klar schauen wir auf die Einschaltquoten. Aber denen können wir nicht hinterherjagen. Davon können wir uns nur in einem gewissen Maß beeinflussen lassen. Letztlich sind es unsere Instinkte, auf die wir uns verlassen müssen.

Wie ist es, mit Lucy und Reneé zu arbeiten? Können Sie uns erzählen, was für Menschen sie sind?
Eigentlich haben wir nicht so viel miteinander zu tun, zumal sie sich in Neuseeland befinden und ich mich die meiste Zeit in Los Angeles aufhalte. Aber Lucy ist eine Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Realität steht und ihren Kopf am rechten Platz hat. Ich denke, sie weiß, was im Leben wichtig ist, und verliert diese Perspektive nie aus den Augen. Sie hat eine sehr lockere Arbeitsweise, die zur Folge hat - und da werden mir die meisten sicher zustimmen - daß sie in ihren Rollen so unglaublich natürlich rüberkommt.

Reneé ist ein wahrer Profi. Sie bereitet ihre Auftritte gewissenhaft vor, und das sieht man auch. Ganz zu Beginn hoffte und betete ich, sie möge die vielen Facetten der Rolle finden und auch darstellen können. Ich erkannte schnell, wie gut sie das beherrscht. Mittlerweile muß ich gestehen, nehme ich es als selbstverständlich hin, daß sie nicht nur die Facetten ausfindig macht, sondern sogar mehr entdeckt als du erwartest. Es gibt eine Menge Geschichten über Schauspieler, die an einer erfolgreichen Serie mitwirken und im Laufe der Zeit zu Monstern mutieren, mit denen man arbeiten muß. Wir warten schon lange nicht mehr auf unsere "Monster". Wir sind zu der erfreulichen Erkenntnis gelangt, daß wir keine selbstsüchtigen "Stars" in unserer Serie haben, sondern professionelle Schauspielerinnen. Und ich persönlich bin sehr dankbar dafür.

Mit wie vielen weiteren Staffeln "Xena" können wir rechnen? Wird es nach Beendigung der Fernsehserie Kinofilme geben?
Im Moment haben wir die Verträge für fünf Staffeln unterschrieben. Wir haben gerade damit begonnen, unsere vierte Staffel zu drehen. Sind es wirklich schon vier Jahre??? Das gibt Ihnen vielleicht einen Eindruck, wie das bei dieser Serie läuft. Die Zeit ist für mich nur so verflogen. Es kommt mir vor, als sei es erst gestern gewesen, daß ich "Gefährliche Träume" zu Papier gebracht habe. Gerade heute habe ich in einem Merchandise-Katalog geblättert und ein Bild von Ephiny gesehen. Ich lächelte und dachte darüber nach, daß ich diesen Charakter doch erst neulich erschaffen hatte!? Herrje, das war meine zweite Episode gewesen! Egal. Die genaue Anzahl der restlichen Staffeln von "Xena" hängt von so vielen Faktoren ab. Gute Einschaltquoten, der allzeit geliebte Dollar und nicht zuletzt die Fähigkeit, eine gute Serie abzuliefern. Sobald die Show ausgelaugt ist, wird es an der Zeit sein, sie abzusetzen. Aber diese Gefahr besteht nicht, solange wir noch so enthusiatisch sind wie damals, als wir anfingen. Was, wie gesagt, momentan kein Problem darstellt. Was einen Film angeht, das wird die Zeit uns zeigen. Wir wurden vom Studio nach der Möglichkeit eines Kinofilms befragt. Doch im Augenblick befassen wir uns sicher nicht damit. Wir verbringen so viel Zeit mit der Arbeit an der Serie, und Lucy opfert gewiß mehr Zeit dafür, als der Rest von uns, so daß wir nicht einmal mit diesem Gedanken spielen. Vielleicht eines Tages. Andererseits denke ich oft, daß wir schließlich jede Woche mit einem Mini-Kinofilm aufwarten. Für diejenigen von Ihnen, die die dritte Staffel bislang nicht gesehen haben: Halten Sie sich gut fest! Ich sprach während der zweiten Staffel auf einigen Conventions und warnte das Publikum, sagte ihnen, sie sollten sich auf eine düstere Reise gefaßt machen. Ich erhielt eine Menge Applaus, da die meisten Fans die problematischen Episoden mögen. Dennoch habe ich seither von mehr als einem Fan zu hören bekommen, daß sie keine Vorstellung davon hatten, daß es so schlimm werden würde! Sie mögen es hassen, Sie mögen es

lieben. Aber auf keinen Fall werden Sie gelangweilt aus Ihrem Fernsehsessel aufstehen. Die Zuschauer werden selbst ein wenig von dem durchzumachen haben, was die Charaktere durchmachen müssen. Ich bin eigentlich ein bißchen stolz darauf, daß es unsere amerikanische Zuschauerschaft emotional dermaßen aufgewühlt hat und daß ihre "Beschwerden" im Grunde die Emotionen der Charaktere widerspiegelten! Was nicht heißt, daß es keine lustigen Episoden geben wird. Aber einige davon werden etwas fehl am Platz erscheinen zwischen all den düsteren Folgen. Wir haben es fertiggebracht, beide Extreme anzuschlagen. Und Joxer ist auch dabei.


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