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Newsletter 06 (1998)

Dieses Interview ist Eigentum des DXF. Kopien in irgendwelcher Form auch auszugsweise nur mit schriftlicher Genehmigung. (c) 1998 DXF

Exklusiv-Interview mit Reneé O'Connor (Gabrielle)

Als du für die Rolle der Gabrielle ausgewählt wurdest, hast du da vorausgesehen, wie populär sie dich machen würde und was für Auswirkungen die Serie auf die Kultur der Gegenwart haben würde?
Nein, überhaupt nicht. Es erstaunt mich immer noch ein wenig, wie populär die Serie geworden ist. Das Serienkonzept war so einzigartig, und es hatte vorher noch nie eine Serie um einen weiblichen Helden gegeben, die denselben Anspruch hatte wie "Xena", so daß niemand wirklich erwartete, daß die Serie eine so große und breitgefächerte Anhängerschaft finden würde.

Wie sehr hast du als Schauspielerin Gabrielles Entwicklung vom lästigen Anhängsel zur gleichberechtigten Partnerin von Xena, die sie ja heute ist, beeinflußt? Wußtest du von Anfang an, daß du mehr aus der Rolle machen wolltest?
Ich glaube, ich habe immer gehofft, daß die Rolle der Gabrielle mehr sein würde als bloß eine komödiantische Einlage oder die lästige Begleiterin, die als Ausgleich für Xenas Persona dient. Aber jeder wußte, daß dies eine Charakterentwicklung war, die glaubhaft und langsam von statten gehen mußte. Obwohl ich vielleicht auf eine etwas schnellere Entwicklung drängte, als die Autoren der Figur zugestehen wollten, haben sie meiner Meinung nach richtig daran getan, etwas bedächtiger an Gabrielles Reifungsprozeß heranzugehen.

In welche Richtung sollte Gabrielle sich deiner Meinung nach entwickeln? Sollte ihre Beziehung zu Xena noch enger werden oder sollte sie emotional unabhängiger von ihr sein? Würdest du sie lieber als Kämpferin sehen oder als Philosophin?
Gabrielle hat aufgrund von Xenas Stärke Selbstbewußtsein und Unabhängigkeit gewinnen können. Sie ist eine eigensinnige, willensstarke junge Frau mit klaren Idealen geworden. Ich glaube, Gabrielle sollte eine Philosophin werden, aber bis zur spirituellen Erleuchtung liegt noch ein weiter Weg vor ihr.

Kannst du die Autoren dazu bewegen, Dinge zu schreiben, die du gerne spielen würdest? Würdest du es jemals ablehnen, eine Szene zu spielen, wenn du das Gefühl hättest, daß diese mit Gabrielles Charakter nicht in Einklang steht?
Ich will Gabrielle ganz instinktiv beschützen und dafür sorgen, daß sie rechtschaffen bleibt. Doch dies ist nicht in ihrem besten Interesse, weil sie durch Fehleinschätzungen an Reife gewinnt. Ich lehne niemals eine Herausforderung ab, die die Autoren Gabrielle präsentieren.

Diskutierst du mit Lucy über die Handlung oder darüber, auf welche Art eine Szene am besten anzugehen ist?
Nicht oft, aber wenn wir uns beide - oder auch nur eine von uns - bei einer Szene nicht sicher sind, wie sie am besten zu spielen ist, dann schon.

Bist du, während du eine Szene spielst, auf irgendeine Art und Weise davon beeinflußt, wie beispielsweise im Internet (oder anderweitig) darauf reagiert werden könnte oder welche Fanreaktionen sie vielleicht provoziert?
Ja und nein. Jeder, der mit der Serie zu tun hat, ist sich gewisser "Auffassungen der Fans" nicht nur bewußt, sondern auch sensibel dafür, und obwohl es manchmal im Unterbewußten präsent ist, versuche ich mich davon nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Es macht mir Spaß, diese Rolle so spielen zu können, wie meine eigenen Instinkte bezüglich Gabrielle es für das beste halten, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen oder abzuwägen, auf welche Weise dies von den Fans aufgenommen wird.

Werden Xena und Gabrielle einander jemals wirklich verstehen? Oder ist es für die Dynamik der Beziehung wichtig, daß immer der Rest eines Geheimnis bleibt?
Xena und Gabs Beziehung wird dynamisch bleiben, da sich beide Charaktere ständig weiterentwickeln und ihren "eigenen Seelenfrieden" suchen. Sie werden einander niemals vollkommen verstehen.

Xena und Gabrielles Freundschaft ist natürlich eine der ganz großen Freundschaften in der Geschichte des Fernsehens (wenn nicht sogar die größte...). Siehst du dich als Pionierin auf diesem Gebiet, da es im Fernsehen vorher eigentlich keine (glaubwürdigen) Frauenfreundschaften gab?
Nein, nicht wirklich als Pionierin - und ich muß der Behauptung ein wenig widersprechen, daß Xena und Gabrielle die einzige glaubwürdige Frauenfreundschaft darstellen, die es je im Fernsehen gegeben hat. Es ist aber eindeutig eine der außergewöhnlichsten, denn während wir total fiktionale Charaktere in einer historischen Zeit darstellen, haben wir gleichzeitig eine sehr starke Freundschaft geschaffen, die auf einigen sehr realen moralischen und ethischen Fragen gründet, die für unsere heutige Zeit und Frauen in den 90ern von Bedeutung sind.

Betrachtest du den sogeannten Subtext als wesentlichen Bestandteil der Serie oder ist es nur ein Zufallsprodukt, das aufgrund von deiner und Lucys unglaublicher "Chemie" entstanden ist?
Das ist schon komisch, weil der Subtext in der Tat nicht beabsichtigt war, als die Serie begann. Aber seit etwa der zweiten Hälte der ersten Staffel, ist er sicherlich ein anerkannter Aspekt der Show, den das Team zur Kenntnis nimmt und dem es gelegentlich zuspielt - das schließt Lucy und mich ein.

Hast du jemals über ein mögliches Szenario für das Ende von "Xena" nachgedacht? Was für ein Ende hättest du gerne?
Darüber habe ich noch nicht allzuviel nachgedacht. Ich habe viel zu viel Spaß daran, herauszufinden, was Gabrielle wohl als nächstes tut. Aber es wäre toll, wenn Gabrielle und Joxer heiraten würde, und uhhh...sollte nur ein Scherz sein. Ich schätze, wir müssen wohl einfach abwarten, was sie für uns geplant haben. Ich habe gelernt, nicht mehr voraussagen zu wollen, was Rob Taperts Fantasie als nächstes hervorbringt.

Wie siehst du deine Zukunft nach "Xena"?
Ich würde gerne verschiedene Rollen spielen, mich vielleicht bei einer kleineren Produktion als Regisseurin versuchen. Das ist schwer zu sagen, ich genieße die Schauspielerei wirklich sehr und "Xena" ist für mich als Schauspielerin eine solch immense Erfahrung, was das Lernen und meine Entwicklung angeht. Es wird nicht leicht sein, nach dieser Rolle/diesem Job eine ebenso erfüllende Arbeit zu finden.

Zum Schluß noch eine Frage, die du wahrscheinlich schon tausend Mal beantwortet hast (Ich muß sie trotzdem stellen): Wie ist es, mit Lucy Lawless zusammen zu arbeiten? Was für eine Frau ist sie?
Lucy ist ein großer Geist mit Herz. Sie ist einer der großzügigsten Menschen, die ich in meinem ganzen Leben kennengelernt habe, und es ist eine echte Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Reneé


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  dxf-kontakt: dxf@autolycus.de letztes update: 12.06.2000