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Newsletter 06 (1998)

Dieses Interview ist Eigentum des DXF. Kopien in irgendwelcher Form auch auszugsweise nur mit schriftlicher Genehmigung. (c) 1998 DXF

Exklusiv-Interview mit R.J. Stewart (Executive Producer)

Im April 1998 gewährte uns einer der innovativsten Köpfe im Xena-Team das folgende Interview. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Mr. R.J. Stewart!

Was haben Sie vor "Xena" gemacht?
Ich war auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Und das meine ich ziemlich ernst.

Wie haben Sie Robert Tapert & Sam Raimi kennengelernt?
Mein Agent hat mich zu ihnen geschickt. Wir verstanden uns auf Anhieb und kamen überein, ein gemeinsames Projekt zu suchen. Dies wurde dann "Xena".

Wie lange arbeiten Sie normalerweise an einem Drehbuch?
Die - eigentlich viel zu einfache - Antwort lautet: eine Woche am Entwurf, zwei Wochen an der Geschichte, zwei Wochen am Drehbuch - und wenn ihr wirklich glaubt, daß wir jemals wirklich soviel Zeit haben, dann kennt ihr das Fernsehgeschäft schlecht.

Veranstalten Sie "Brainstormings" und suchen alle gemeinsam nach Geschichten?
Manchmal.

Oder arbeit jeder alleine?
Manchmal.

Wer entscheidet letztendlich darüber, ob ein Drehbuch angenommen wird?
Das tun Rob [Tapert] und ich.

Woher beziehen Sie Ihre Ideen, Ihre Inspirationen?
Aus dem Leben, aus Filmen, Romanen, der Philosophie und einer tollen kleinen Bar in Koreatown, die ich regelmäßig aufsuche.

Auf welche Episoden sind Sie als Autor besonders stolz und warum?
"Callisto" [Die Furie, 1. Staffel], weil ich hier einen Charakter geschaffen habe, den ich liebe. Ich hielt es für wichtig, daß Xena sich mit den Konsequenzen ihrer Vergangenheit auseinandersetzt. Und so habe ich es auch auch umgesetzt. Ich denke, das hat wirklich gut funktioniert. "Return of Callisto" [Callistos Rückkehr, 2. Staffel], weil es mir möglich war, Callisto den folgenden Satz sagen zu lassen: "Love is a trick nature plays to get us to reproduce." ["Die Liebe ist eine List der Natur, um uns zur Fortpflanzung zu bewegen."] Diesen Satz liebe ich. Er faßt recht gut Schopenhauers Aufsatz "Metaphysik der Geschlechtsliebe" zusammen. "A Day in the Life." [Ein harter Tag, 2. Staffel] Ich denke ständig darüber nach, was Xena und Gabrielle zwischen den Episoden tun, deshalb hat es mir viel Spaß gemacht, dies in einer Episode etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. "The Debt I & II" [3. Staffel, noch kein deutscher Titel] Ich bin sehr stolz darauf, wie ich das Tao Te Ching [grundlegendes Werk des Taoismus, verfaßt von Lao-tse/Lao Tsu] in diese Drehbücher eingearbeitet habe. Ich habe diese Geschichte gemeinsam mit Rob geschrieben, deshalb mußte ich immer mit ihm Rücksprache halten. Als ich ihn anrief und vorschlug, daß Lao Ma [die Frau von Lao Tsu] die Verfasserin des Tao Te Ching sei, sagte er: 'RJ, das ist eine tolle Idee." Von dem Moment an war ich nicht mehr zu halten. Natürlich entspringt Lao Mas Philosophie nicht ausschließlich dem Tao Te Ching. All der Kram über den "blinden Willen" kommt geradewegs von Schopenhauer.

Wenn Sie anfangen, für eine neue Staffel zu schreiben, haben Sie dann ein Konzept, an das Sie sich halten müssen, oder sind Sie, was die Geschichten angeht, flexibel?
Während der ersten beiden Staffeln haben wir einfach drauflos geschrieben, aber in der dritten Staffel und der jetzt anstehenden vierten planen wir viel mehr im voraus.

Haben Lucy und Reneé irgendeinen Einfluß auf die Drehbücher?
Eigentlich nicht.

Bleibt Raum für Improvisationen?
Sicher.

Obwohl Robert Tapert vor kurzem gesagt hat, daß "Xena" eine Aneinanderreihung inhaltlich nicht zusammenhängender Episoden ist, kann man nicht abstreiten, daß es doch episodenübergreifende Bögen gibt (die die Serie ja auch so faszinierend machen). Wie wichtig sind diese Episodenbögen Ihrer Meinung nach?
Diese Bögen erlauben es uns, mehr mit den Charakteren anzustellen, Risiken einzugehen, weil wir ja schon im voraus wissen, wie wir sie wieder aus den Abgründen herausholen, in die wir sie hineingestoßen haben.

Wie charakterisieren Sie persönlich die Beziehung zwischen Xena und Gabrielle?
Als leidenschaftliche Liebe.

Können Sie den deutschen Fans - die die dritte Staffel noch nicht gesehen haben - kurz erzählen, wie sich die Beziehung zwischen Xena & Gabrielle ändern wird und was wir für die Zukunft erwarten können?
Nun, wenn ihr die alle noch nicht gesehen habt, dann will ich euch auch nichts verraten. Schaut nur einfach weiter zu.

Wird der sogenannte "Subtext" weiterhin wesentlicher Bestandteil der Serie bleiben?
Ganz bestimmt.

Wie sehen Sie persönlich Gabrielle? Wir haben manchmal den Eindruck, daß die Autoren sich nicht ganz einig sind, was sie angeht. In einer Woche ist sie die Amazonenkämpferin, in der nächsten die hilflose Maid, die gerettet werden muß.
Gabrielle war siebzehn, als sie ihr Zuhause verließ, um sich Xena anzuschließen. Sie war als Mensch noch "unfertig". Sie ist dabei, sich selber zu finden. Sie hat sich verändert und wird sich weiterhin ändern, aber sie wird auch immer etwas von dem beibehalten, was sie eigentlich zu Gabrielle macht.

Sie haben wiederholt gesagt, daß Schopenhauers Philosophie einen großen Einfluß auf Sie hat. Können Sie erläutern, wie dies Ihre Sicht auf Xena und deren Suche nach Erlösung beeinflußt?
In ihrer bösen Vergangenheit wurde Xena angetrieben von dem, was Schopenhauer als metaphysische Basis des gesamten Universums betrachtet - vom Willen - von einer Macht, die in einem blinden Bestreben, sich selbst zu erfahren, planlos schöpft und zerstört. Indem sie den Pfad des selbstsüchtigen Verlangens verließ und ihr Leben in den Dienst anderer Menschen stellte, tat Xena einen Schritt in die Richtung des Schopenhauerischen Konzepts der "Verneinung des Willens", das Schopenhauer als den einzigen Weg betrachtete, sich vom Leidensrad des Ixion zu befreien, das das Leben auf dieser Erde ist [Ixion: Frevler und Büßer der griechischen Mythologie, der wegen Mordes an ein Feuerrad gefesselt, in der Unterwelt büßen mußte]. Ganz am Anfang der Serie erkannte Xena, daß Gabrielle dieses Konzept der Verneinung ganz natürlich lebt, und dies ist einer der Gründe, warum Gabrielle so wichtig für Xena ist. Im weiteren Verlauf der Serie wird Gabrielles Fähigkeit, diese "Verneinung" zu praktizieren, durch das Leid, das sie erfährt, ernsthaft auf die Probe gestellt. Wie Gabrielle mit diesen Herausforderungen umgeht, ist eins der Dinge, die wir in den kommenden Staffeln erforschen werden. Die Episoden, in denen ich das meiste Schopenhaurische Gedankengut unterbringen konnte, sind: "Sins of the Past / Schatten der Vergangenheit", "Callisto / Die Furie", "Return of Callisto / Callistos Rückkehr", "Destiny / Die Macht des Schicksals", "The Furies", "Gabrielle's Hope" und "The Debts" [noch keine deutschen Titel].

Um die Figur des Joxer scheint es ziemliche Kontroversen zu geben. Warum, glauben Sie, sind die Reaktionen auf ihn so extrem? Die Leute lieben oder hassen ihn und beides mit großer Leidenschaft. Warum ist das so?
Nun, ich bin einer derjenigen, die ihn lieben. Ich habe keine Ahnung, warum manche Leute ihn hassen.

Hat der Erfolg von "Xena" irgend etwas bezüglich des kreativen Prozesses geändert (mehr Druck, mehr Forderungen von allen Seiten)?
Ja, all das.

Und zu guterletzt: Wie ist es, mit Lucy und Reneé zusammenzuarbeiten?
Diese Frauen sind wirklich etwas ganz Besonderes. Ich bin so ein Glückspilz. Sie sind nicht nur supertalentiert, sondern darüber hinaus ganz feine Menschen. Es vergeht kein Tag, da ich nicht Dankbarkeit dafür empfinde, daß ich mit diesen beiden bemerkenswerten Frauen zusammenarbeite.

Können Sie uns sagen, was die beiden für Menschen sind?
Lucy ist zäh, witzig, intelligent, großzügig und eine bemerkenswerte Schauspielerin. Sie hat einen Emmy verdient [höchster amerikanischer Fernsehpreis]. Sie hat ein riesengroßes Herz. Sie ist jemand, auf den man sich wirklich verlassen kann, wenn man in Not gerät. Reneé ist noch liebenswerter als die Rolle, die sie spielt. Sie ist "echt", ungekünstelt und natürlich. Ein wirklich wunderbarer Mensch.

Vielen Dank, daß Sie sich für uns Zeit genommen haben! Wenn Sie noch irgend etwas hinzufügen wollen - nur zu!
Ich liebe Deutschland und hoffe, bald wieder einmal zu Besuch zu kommen.


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